上海 Shanghai Logbucheintrag - Allerletztes Kapitel / 5.11.2007

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Shanghai, 5.11.2007 - High Noon am Pudong International Airport ... und Oberndorf, 6.11. - wieder High Noon
Ganz so ohne Abschluß darf diese Reise nun doch nicht zu Ende gehen. Aber bedingt durch die Umstellung des Reisemodus von Multi-Teilnehmermodus auf Single-User gibt es weit weniger Stories aus der Daily Soap des Neverending Abteilungsausfluges zu berichten. Andererseits gibt es dadurch auch weniger Zeitlücken, die es zu füllen gäbe und somit habe ich es vorgezogen die "freiwerdenden" Zeitfenster besser direkt in Shanghai zu investieren. Dadurch erlebe ich zwar mehr, es geht jedoch auch etwas verloren, das feste, zelebrierte Ritual der Rückschau auf jeden einzelnen Tag. Auch die Art der fotografischen Dokumentation, bzw. der Zwang oder Drang danach hat mit der Einstellung des Tagebuchs nachgelassen. Ich empfinde das ein bisschen seltsam, da ich mich bei schlechtem Gewissen ertappe, wenn ich zwei Stunden in der Nanjing Road oder im Peoples Park sitze und nur beobachte, bzw. einfach "abhänge". Wenn mich nicht gerade der Schuhputzer stört, oder der "English-Teacher" oder jemand anderes aus der Spezies der modernen Shanghaier Glücks- und auch leider "Raubritter". Wie gesagt, trotz oder vielleicht gerade weil Urlaub drängt mich ein schlechtes Gewissen die Punkte aus meinem Stadtplan  und meinem Reiseführer "abzuarbeiten". Deutsch geboren, deutsch erzogen deutsch in der weiten Welt unterwegs. Natürlich habe ich diesen Drang und das schlechte Gewissen auch häufig besiegt. Schöner wär's aber diesen Kampf nicht kämpfen zu müssen. Vielleicht liegt das aber auch alles daran, dass es auch in Shanghai nicht zu viele Einheimische mit passablem Englisch gibt und die mögliche Kommunikation somit nicht alle Ebenen abdecken kann. Die besten Gespräche hatte ich noch in der Nanjing Road am gestrigen morgen mit einem 80 jährigen und einem 75 jährigen, die beide sehr gut des Englischen mächtig waren. Beide waren auch schon in Deutschland und insgesamt sehr pfiffige aufgeschlossene ältere Herren. Der ältere davon hat nun sogar einen Computer, mit Internetanschluß und Mail. Hierüber kommuniziert er mit allen weltweiten Bekannten, die er in Shanghai "aufreißt". Der andere ist  Russisch Dolmetscher und spricht deutsch. Ein anderes Mal war ich in einer Bar, wo ich mich mit zwei Mädels länger unterhielt. Dafür durfte ich aber jeder einen Drink für 40 RMB spendieren. Die eine davon war letztes Jahr über Weihnachten in Düsseldorf bei ihrem damaligen "boy friend". Beide waren sehr aufgeschlossen und nicht auf den Kopf gefallen. Ansonsten eben war vieles nur Small-Talk Ebene. Nachdem die diversen Lebenskünstler, Glück- und Raubritter in der Nanjing Road, meinem Shanghaier Wohnzimmer ihre komplettes Angebot offengelegt hatten, hatte auch ich beständig mein Repertoire erweitert. Immer wieder kamen "students" die mir Kunst zeigen wollten oder Zugang zu ganz besonderen Tee-Zeremonien verschaffen wollten. Einmal hatte ich Vertrauen zu einem jüngeren Pärchen gefunden, mit denen ich mich länger sehr gut unterhalten hatte. Wollte dann mit ihnen in den Acrobatic Circus. Als wir gemeinsam zum Karten kaufen gingen, gab's diese in einem hinteren Eck (durchaus extrem sauber und gepflegt) eines Kaufhaus und plötzlich hätte Tee gereicht werden sollen. Der Preis für die Karte war bei 280 Yuan, obwohl ich vorher im Reiseführer was von "ab 40 Yuan" gelesen hatte. Bin dann höflich, aber bestimmt abgezogen. Auf der anderen Seite scheint auch Shanghai für den Touristen extrem sicher und ich bin Shanghai wohl etliche Male zu Fuß abgelaufen und habe definitiv mehr Kilometer als letztes Jahr in Berlin zurückgelegt. Zugeben war ich damals schneller unterwegs, musste aber auch weniger Kilos mit mir herumschleppen. Die verbrauchten Kalorien habe ich mir abends in der Bar des Radisson wieder zurückgeholt oder auch einmal in der Cloud 9 (wie die Wolke 7 hier heißt). Habe jeweils das komplette Erdnußangebot restlos vernichtet. Im Vergleich zu Peking ist Shanghai eine pulsierende lebendige und sehr offene Stadt, in der man im Geschäftsviertel Pudong die Gigantomanie bei den Bauwerken eindrucksvoll spürt. Aber auf meinen Wegen durch die Stadt bin ich permanent und endlos auf Einkaufspassagen und Shopping Center getroffen, in der überall Menschen unterwegs waren und auch einkauften. Wenn auch die Kneipen- und Restaurantszene sicher nicht an New York heranreichen kann, so spürt man den Drive dieser intensiven Metropole allgegenwärtig. Interessant - nicht uneingeschränkt positiv - empfand ich die Tatsache, dass du mit offenem Stadtplan auch eine Stunde an einer Kreuzung stehen könntest ohne, dass dich jemand anspricht oder seine Hilfe anbieten würde. Sobald ich die Nanjing Road oder den Bund verlassen hatte, war ich als absolut sichtbarer Außenseiter trotzdem unbehelligt und auch scheinbar (?) unregistriert in der Masse dieser Einheimischen unterwegs. Dabei kannst du den Leuten in die Augen schauen und versuchen zu lächeln. Nur relativ selten hat sich daraus wirklich etwas entwickelt. Obwohl in der Stadt die Touristen wirklich sehr in der Minderzahl und durch Hautfarbe und Gesichtszüge eben herausstechen, wirst du nicht begutachtet, gemustert oder sonst was. Erstaunlich fand ich auch, dass wirklich viele gutaussehende und attraktiv gekleidete junge Mädchen durch die Straßen gehen, ohne dass ein Mann oder eine Männergruppe sich umdrehen würde oder nachschauen würde. Nur einmal als eine große, schlanke, blonde Touristin durch die Stadt ging habe ich dieses Phänomen bemerkt. Vollends fasziniert war ich beim Besuch der Shangahi Urban Planning Exhibition Hall. Da gibt es eine 360 Grad IMAX-Tour durch Shanghai und eine maßstabsgetreues 25x25 m Modell von Shanghai (Entwicklung bis zur Expo 2010). Und vieles mehr. Das Wort 5 Jahresplan taucht hier auch auf, aber - ohne alle Methoden der Umsetzung zu kennen oder geschweige denn pauschal gutheißen zu wollen - im Gegensatz zum real existierenden Kommunismus in der Sowjetunion und in der DDR seinerzeit scheint dies hier heute nicht übel zu funktionieren. Aus ökonomischer und städtebaulicher Sicht eines Außenstehenden. Denke mir kurz, man müsste Stadtrat in Shanghai sein. Da geht die Post ab. Aber dann fällt mir sofort ein, dass hier ohne Partei hier sicherlich nichts geht. Also bin ich zufrieden und dankbar über meinen kleinen bescheidenen Wirkungskreis auf dem deutschen, mittelfränkischen Lande. Aber nicht nur für Städtebauplaner und Skyscraperfetischisten ist diese Ausstellung ein Muss. Absolutes Highlight. Hingehen! Auf jeden Fall.
Ich habe viel gesehen und bin überzeugt, dass ich da auf jeden Fall noch mal hin muss. Speziell Shanghai müsste man alle 1-2 Jahre eine kurze Stippvisite abstatten. Empfinde vieles an Shanghai auch crazy und bin erstaunt, dass die Chinesen hier manchmal westlicher als die Westler sein wollen oder auch sind. Aber ich habe mein Wohnzimmer Nanjing Road, einen Inbegriff dieser Crazyness auch lieben gelernt. Erinnere mich an diesen faszinierenden Ausblick vom Bund und die wirklich außergewöhnliche Wolkenkratzer City Pudong, wo 1997 gerade mal der Pearl Tower stand.
Viele meiner "einsamen" Abende sind in meiner Sky Dome Bar im Radisson ausgeklungen. Ist zwar etwas untypsich und evtl. snobistisch und (Möchtegern-) Jet-Setter mäßig, aber hier gab's gutes Bier und gutes Englisch mit einer entsprechenden Bar-Live Musik. Und die Location war schön zentral.

Peking, die chinesische Mauer und mein Familienurlaub mit Ingo, Parichat und Bhumi liegen gedanklich schon so weit  zurück, so dass ich zuerst mal nachlesen muss, was ich, bzw. wir hier alles wann gemacht und erlebt haben. Es bleiben aber auch hier faszinierende Eindrücke, so dass ich wirklich uneingeschränkt dankbar bin diese langgehegten Reiseziele endlich verwirklicht haben zu können. Und ich gestehe, dass mein China-Bild um vieles positiver geworden ist. Zumindest für mich als Touristen gab es auch keine Wahrnehmung von Unterdrückung oder Polizeistaatlicher Willkür. Weder im Alltag noch bei irgendwelchen Kontakten mit Amtspersonen (Zoll, Einreise, ...). Das kenne ich von USA und Russland anders. Vielleicht ist man ja auf dem richtigen Weg. Hatte leider keine Gelegenheit mit Regime-Kritikern oder Opfern von Willkür und Unterdrückung zu sprechen. So dass dies nur mein persönliches subjektives Reisefazit darstellt.
Meine besten Wünsche und Grüße gehen nach Australien and meine "Holiday-Sharer" und den legendären Kmita-Family Clan. Kaum zu Hause, ergreift mich schon die Sehnsucht. Dank Skype bin ich zumindest "informiert" und weiß, dass Ingo in Sydney sensationelle Bilder vom A380 geschossen hat, oder gestern die ebenso sensationellen "Aura-Fotos" im legendären Crystal Castle auf dem Programm standen. Und ich habe auch kurz mit Bhumi gesprochen um mal wieder "Geed" hören zu können.
Aber! Auch hier in Oberndorf bei Kucha City in der Gemeinde Offenhausen ist es schee. Verdammt schee sogar. Und last, but not least: " Dahoim is dahoim".
Das ist so und das bleibt so!

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